Im Rahmen einer Aktion mit italienischen Produkten bei ALDI-Süd wurde diese Woche auch wieder Weine aus Italien angeboten. Zum Dolce Vita gehört ja auch ein guter Vino. Aus der Aktionskiste habe ich einmal die beiden folgenden Tröpfchen verkostet:
Terruzi und Puthod: Acinaia Vernaccia di San Gimignano 2012
Billiger, mit einer Korkscheibe belegter presskork. Unauffälliges, lichtes Gold im Glas. Angenehme Nase mit klarer Zitrus-/Grapefruitaromatik und Anklängen von Frühlingswiese und Heu. Frisch im Antrunk, belebende Säure, unterlegt von einer schönen Würze, dabei auch Schmelz, sehr ausgewogen und fein.
Bewertung: 17/20 Punkte
Preis: 4,49 Euro.
Antichi Poderi Jerzu: Cannonau die Sardegna 2011 BANTU
Mittleres, eher mattes Kirschrot. Expressive Kirschfrucht in der Nase, etwas Bittermandelaromatik und Lakritze. Fruchtig-würziger Antrunk, sehr viel Sauerkirsch, recht dicht verwobene Struktur mit inspirierenden Facetten, jugendlich frisch-fruchtige Aromatik, guter Nachhall: zu diesem Preis ein extrem guter Wert, wenn auch zuletzt etwas vordergründig.
Bewertung: 17,5/20
Preis: 4,49 Euro
Offensichtlich eine gelungene Italien-Aktion, bei der man sich zu den ausgerufenen Preisen ruhig großzügig bevorraten sollte. Insbesondere der Bantu ist ein Tropfen, den man nicht nur bei einer Party ausschenken muss, sondern auch zum Selbertrinken geeignet scheint.
Kurios wie immer die Herkunft der Weine. Auf der Homepage von Terruzi und Puthod, einem ja durchaus nicht schlecht beleumundeten Haus, findet sich kein Hinweise auf eine ACINAIA und entsprechende Recherchen im Netz verweisen ausschließlich auf das ALDI-Angebot. Der BANTU gehört dagegen zum offiziellen Programm der als zuverlässigem Cannonau-Erzeuger mittlerweile bekannteren Antichi Poderi Jerzu und ist für 5,45 Euro auch woanders in Deutschland erhältlich. Die 2 Gläser im Gambero Rosso scheinen vielleicht etwas übertrieben, aber immerhin...
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Sonntag, 19. Januar 2014
Montag, 10. Dezember 2012
Same procedure as... - Weihnachtsweine bei ALDI-Süd
In dieser Woche war es wieder soweit - AlDI-Süd präsentiert seine Weihnachtsdelikatessen und die entsprechenden Weine. Das Angebot hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert: Es gibt u.a. einen Barolo, einen Brunello, den obligatorischen Bordeaux, Südafrika und natürlich Spanien. Wie schon 2011 habe ich aus Solidarität bei den Spaniern zugegriffen und zwei preisgünstige Weine mit nach Hause genommen, die sogleich verkostet wurden.
2011er Azumbre Vinedos Centenarios Verdejo D.O. Rueda
Sehr helles lichtes Gold. In der Nase Akazienblüte, Stachelbeere und einen Hauch von Brennessel. Der Wein wirkt im Mund sehr frisch und säurebetont, schmeckt zunächst nach weißem Pfirsich und Stachelbeere sowie Rhabarberkompott. Es zeigt sich ein fester, druckvoller mineralischer Kern mit kräuterigen und salzigen Elementen. Insgesamt ein eigenwilliger Weintyp, auf den man sich einlassen muss. Sehr intensiver, kraftvoller Nachhall, der den ganzen Mund ausfüllt. 13% Alc.
Bewertung: 17/20 Punkte
Preis: 4,99 Euro
Diesen Wein von der Agricola Castellana wollte ich eigentlich bereits im letzten Jahr probieren, und auch die Halsschleife mit 89 Parker-Punkten hat mich nicht abgeschreckt. Es verwundert, dass die Manager von ALDI ihn wieder ins Sortiment genommen haben, denn er entspricht überhaupt nicht dem gefälligen Sortentyp für den Durchschnittskonsumenten. Das gilt eher für den
2009er Titanes Crianza D.O. Catalunya
Mittleres, glänzendes Rubin mit violetten Reflexen. Nase geprägt von Sauerkirsche und Brombeerfrucht, ein Hauch von Bittermandel mit Küchenkräutern. Im Mund sehr trinkig, viel Frucht, aber auch polarisierend adstringierende, kräuterige Elemente. Insgesamt elegante, unkomplizierte Art, geprägt von der Garnacha, saubere, schöne Basisqualität; 14% Alkohol sind kaum zu spüren.
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Beide Tropfen kann man in jedem Fall zum Kauf empfehlen; insbesondere der Verdejo bietet ein für den Alltagsweintrinker ungewohntes und authentisches Geschmackserlebnis. Die Warnungen von Jens Priewe vor den ALDI-Weinen schlage ich also auch diesjährig in den Wind, konzediere allerdings, dass man an Weihnachten diese Weine nicht unbedingt vermissen würde.
2011er Azumbre Vinedos Centenarios Verdejo D.O. Rueda
Sehr helles lichtes Gold. In der Nase Akazienblüte, Stachelbeere und einen Hauch von Brennessel. Der Wein wirkt im Mund sehr frisch und säurebetont, schmeckt zunächst nach weißem Pfirsich und Stachelbeere sowie Rhabarberkompott. Es zeigt sich ein fester, druckvoller mineralischer Kern mit kräuterigen und salzigen Elementen. Insgesamt ein eigenwilliger Weintyp, auf den man sich einlassen muss. Sehr intensiver, kraftvoller Nachhall, der den ganzen Mund ausfüllt. 13% Alc.
Bewertung: 17/20 Punkte
Preis: 4,99 Euro
Diesen Wein von der Agricola Castellana wollte ich eigentlich bereits im letzten Jahr probieren, und auch die Halsschleife mit 89 Parker-Punkten hat mich nicht abgeschreckt. Es verwundert, dass die Manager von ALDI ihn wieder ins Sortiment genommen haben, denn er entspricht überhaupt nicht dem gefälligen Sortentyp für den Durchschnittskonsumenten. Das gilt eher für den
2009er Titanes Crianza D.O. Catalunya
Mittleres, glänzendes Rubin mit violetten Reflexen. Nase geprägt von Sauerkirsche und Brombeerfrucht, ein Hauch von Bittermandel mit Küchenkräutern. Im Mund sehr trinkig, viel Frucht, aber auch polarisierend adstringierende, kräuterige Elemente. Insgesamt elegante, unkomplizierte Art, geprägt von der Garnacha, saubere, schöne Basisqualität; 14% Alkohol sind kaum zu spüren.
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Beide Tropfen kann man in jedem Fall zum Kauf empfehlen; insbesondere der Verdejo bietet ein für den Alltagsweintrinker ungewohntes und authentisches Geschmackserlebnis. Die Warnungen von Jens Priewe vor den ALDI-Weinen schlage ich also auch diesjährig in den Wind, konzediere allerdings, dass man an Weihnachten diese Weine nicht unbedingt vermissen würde.
Dienstag, 17. Juli 2012
ALDi-Süd Aktion: 2011er Jagdschloß Rheingau Riesling Sekt brut
Lichtes, unauffälliges Grüngelb; mittelfeine Perlage. Fruchtbetonte Nase, viel Gelbfrucht, im Hintergrund Apfel, wirkt etwas aufgesetzt-künstlich. Im Mund sehr "weinig", viel Frucht, deutlich spürbare Restsüße, rein geschmacklich jenseits der Anmutung "Brut". Relativ einfach gestrickt, aber letztlich sauber gemacht.
Bewertung: 15,0/20 Punkte
Preis: 4,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Auch wenn er nur elementaren Ansprüchen gerecht wird, ist der Sekt zu diesem Preis durchaus trinkbar und vielen Markensekten im Preissegment von 5-10 Euro deutlich überlegen.
Bewertung: 15,0/20 Punkte
Preis: 4,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Auch wenn er nur elementaren Ansprüchen gerecht wird, ist der Sekt zu diesem Preis durchaus trinkbar und vielen Markensekten im Preissegment von 5-10 Euro deutlich überlegen.
Samstag, 19. Mai 2012
ALDI Cava Gran Livenza Brut
Lichtes Grüngelb, überraschend feine Perlage. In der Nase viel reife Frucht, dominant grüner Apfel und Rhabarber. Am Gaumen geradlinig und sauber, relativ einfach strukturiert, es fehlt an Komplexität, Spiel und Nachhall. Als "Brause" für den Feierabend bei großem Durst aber durchaus geeignet.
Metodo tradicional 11,5% Alc.
Bewertung: 14,5/20 Punkte
Preis: 3,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Metodo tradicional 11,5% Alc.
Bewertung: 14,5/20 Punkte
Preis: 3,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Mittwoch, 28. März 2012
ALDI: 2010er Pinot Rosé Sekt brut in der Aktion
In der bei ALDI-SÜD mittlerweile etablierten Edition Fritz Keller wurde diese Woche ein im Flaschengärverfahren produzierter Pinot-Rose-Sekt in der Aktion angeboten (versektet in Auggen).
Die Farbe tendiert eher in Richtung Zwiebelschale bis Koralle, mittelfeine Perlage. In der Nase dominant Erdbeere und etwas Himbeere. Am Gaumen fruchtbetont, erfrischend, dabei angenehm strukturiert durch etwas Gerbigkeit. Der Sekt trinkt sich gut, wirkt dabei aber letztlich eher belanglos und uniform. Es fehlt an Komplexität und Spiel, die Dosage ist für einen Brut-Schaumwein eher im oberen Bereich angesiedelt.
AP Nr. 1067 201 12 12% Alc.
Bewertung: 16/20 Punkte
Preis: 9,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Fazit: Angesichts des nicht ganz überzeugenden Preis-Genuss-Verhältnisses kann man kann den hereinbrechenden Frühling auch mit anderen Getränken begrüßen.
AP Nr. 1067 201 12 12% Alc.
Bewertung: 16/20 Punkte
Preis: 9,99 Euro
Bezug: ALDI-Süd
Fazit: Angesichts des nicht ganz überzeugenden Preis-Genuss-Verhältnisses kann man kann den hereinbrechenden Frühling auch mit anderen Getränken begrüßen.
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Vor Weihnachten bei ALDI auf Wein achten
Diese Woche war es wieder so weit. ALDI Süd startet seine weihnachtliche Wein-Offensive. Neben der prickelnden ALDI-Witwe in rose oder weiß gab es mehrere Spanier, die ihren Wein wohl angesichts der Krise immer mehr verramschen müssen, den unvermeidlichen Barolo zu 9,99 Euro, einen Brunello zu 15,99 und - als teuersten Wein - den 2004er Château Marquis D'Alesme Becker. Der Zwanziger ist aber vermutlich eher schlecht angelegt: Ein schwacher Jahrgang aus einem Chateau, das zwar immer noch als 3. Cru Classé geführt wird, aber in den letzten Jahren nicht unbedingt durch Qualität von sich reden machte, dürfte am heiligen Abend eher für Enttäuschung sorgen.
Aus Solidarität mit dem spanischen Budgetdefizit entschloss ich mich nach Sichtung vor Ort, zwei Spanier zu testen, in Anknüpfung an die Rioja-Verkostung vom 04.12 und eine noch größere Rioja Reserva-Horziontale aus 2006 in den nächsten Wochen ankündigend. Die derzeit extrem günstigen Preise für hochwertige Spanier zwingen einen ja gerade dazu, diese Weine einmal wieder unter die Lupe zu nehmen.
Celler Malondro: 2007er Latria, DO Monsant
Kirschrot mit violetten Reflexen, in der Nase viel rote Frucht, hervorstechend Johannisbeere. Am Gaumen dank der spürbaren Säure sehr frisch, kühle Frucht, angenehmer Trinkfluss. Der Latria überzeigt durch seine Frucht, dabei ist er geschmeidig, elegant und durchaus von Finesse. Man wünscht sich zwar etwas mehr Tiefe, kann aber mit dem dahinter stehenden Konzept durchaus gut leben.
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Preis: 6,99 Euro
ALDI stattet den Wein mit einem Anhänger aus, der dem Wein 89 Parker-Punkte zuweist (incl. Hinweis auf das Erscheinungsdatum des Wine Advocate, ws. um Klagen vorzubeugen). Das scheint o.k., obwohl meine Bewertung niedriger liegt, denn der Wein enttäuscht nicht. Man macht sicher nichts falsch, wenn man sich ein paar Flaschen Latria für den Hausgebrauch beiseite legt.
2006er Baron de Escal Rioja Reserva
Dunkles Rubin, typisches Rioja-Bukett mit Holzvanille, dezent roter Frucht, einer balsamische Note und etwas dunkler Schokolade. Am Gaumen schöne Frucht, ein ansprechendes Wechselspiel von riojatypischer Säure, Körper und Frucht; sehr harmonische Gerbstoffe. Die Stilistik des Weines entspricht einem moderat modernisierten klassischen Ausbau.
Bewertung: 17,5/20 Euro
Preis: 9,99 Euro
Wer auch immer der Baron de Escal ist, ALDI Süd hat sich hier richtig ins Zeug gelegt. Eine schwere Flasche und ein ordentlicher Korken suggerieren Qualität. Hinzu tritt das Künstlerettiket mit einem Motiv des Katalanen Joan Miró. So etwas macht die abfüllende Kellerei Bodegas Altanza (auf deutlich höherem Preisniveau) häufiger, nur findet man weder auf ihrer homepage und auch sonst nirgendwo im Netz einen Hinweis auf einen "Baron de Escal". Alles in allem, der Wein ist auf diesem Preisniveau eine gute Wahl, wenn man seinen Wein unbedingt bei Aldi kaufen will, und die beiden von mir getesteten Weine bestätigen zumindest nicht die negativen Kommentare zu den ALDI-Aktionen von Jens Priewe.
Aus Solidarität mit dem spanischen Budgetdefizit entschloss ich mich nach Sichtung vor Ort, zwei Spanier zu testen, in Anknüpfung an die Rioja-Verkostung vom 04.12 und eine noch größere Rioja Reserva-Horziontale aus 2006 in den nächsten Wochen ankündigend. Die derzeit extrem günstigen Preise für hochwertige Spanier zwingen einen ja gerade dazu, diese Weine einmal wieder unter die Lupe zu nehmen.
Celler Malondro: 2007er Latria, DO Monsant
Kirschrot mit violetten Reflexen, in der Nase viel rote Frucht, hervorstechend Johannisbeere. Am Gaumen dank der spürbaren Säure sehr frisch, kühle Frucht, angenehmer Trinkfluss. Der Latria überzeigt durch seine Frucht, dabei ist er geschmeidig, elegant und durchaus von Finesse. Man wünscht sich zwar etwas mehr Tiefe, kann aber mit dem dahinter stehenden Konzept durchaus gut leben.
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Preis: 6,99 Euro
ALDI stattet den Wein mit einem Anhänger aus, der dem Wein 89 Parker-Punkte zuweist (incl. Hinweis auf das Erscheinungsdatum des Wine Advocate, ws. um Klagen vorzubeugen). Das scheint o.k., obwohl meine Bewertung niedriger liegt, denn der Wein enttäuscht nicht. Man macht sicher nichts falsch, wenn man sich ein paar Flaschen Latria für den Hausgebrauch beiseite legt.
2006er Baron de Escal Rioja Reserva
Dunkles Rubin, typisches Rioja-Bukett mit Holzvanille, dezent roter Frucht, einer balsamische Note und etwas dunkler Schokolade. Am Gaumen schöne Frucht, ein ansprechendes Wechselspiel von riojatypischer Säure, Körper und Frucht; sehr harmonische Gerbstoffe. Die Stilistik des Weines entspricht einem moderat modernisierten klassischen Ausbau.
Bewertung: 17,5/20 Euro
Preis: 9,99 Euro
Wer auch immer der Baron de Escal ist, ALDI Süd hat sich hier richtig ins Zeug gelegt. Eine schwere Flasche und ein ordentlicher Korken suggerieren Qualität. Hinzu tritt das Künstlerettiket mit einem Motiv des Katalanen Joan Miró. So etwas macht die abfüllende Kellerei Bodegas Altanza (auf deutlich höherem Preisniveau) häufiger, nur findet man weder auf ihrer homepage und auch sonst nirgendwo im Netz einen Hinweis auf einen "Baron de Escal". Alles in allem, der Wein ist auf diesem Preisniveau eine gute Wahl, wenn man seinen Wein unbedingt bei Aldi kaufen will, und die beiden von mir getesteten Weine bestätigen zumindest nicht die negativen Kommentare zu den ALDI-Aktionen von Jens Priewe.
Dienstag, 9. August 2011
2007er Finca Sobreno Crianza
Dunkles, dichtes Rubin; kräuterige Würze, spürbare Holzvanille. Rote Früchte, rauchige Noten, Räucherspeck, guter Nachhall, kraftvoll. 14% Alc.
Bewertung: 17/20 Punkte
Preis. ca. 8 Euro (?)
Bezug: Aldi
Mit dem 87er Gran Collegiata von Farina wurde ich seinerzeit auf das Anbaugebiet Toro aufmerksam. Danach war der Finca Sobreno über viele Jahre mein Referenzweine aus diesem Gebiet. Nachdem ich ihn wegen zunehmend interessanterer Alternativen schließlich doch aus den Augen verloren hatte, zog er als Aktionswein bei Aldi jüngst meine Aufmerksamkeit auf sich. Trotz (wahrscheinlich unlauterer) Werbung mit 90 Parker Punkten kaufte ich eine Flasche und bin mit dem Inhalt beim ausgerufenen Preis durchaus zufrieden.
Bewertung: 17/20 Punkte
Preis. ca. 8 Euro (?)
Bezug: Aldi
Mit dem 87er Gran Collegiata von Farina wurde ich seinerzeit auf das Anbaugebiet Toro aufmerksam. Danach war der Finca Sobreno über viele Jahre mein Referenzweine aus diesem Gebiet. Nachdem ich ihn wegen zunehmend interessanterer Alternativen schließlich doch aus den Augen verloren hatte, zog er als Aktionswein bei Aldi jüngst meine Aufmerksamkeit auf sich. Trotz (wahrscheinlich unlauterer) Werbung mit 90 Parker Punkten kaufte ich eine Flasche und bin mit dem Inhalt beim ausgerufenen Preis durchaus zufrieden.
Samstag, 23. Juli 2011
Fritz Keller went Aldi
Dass Aldi einer der größten bundesdeutschen Weindistributeure ist, dürfte einem breiten Publikum bekannt sein - nicht zuletzt aus eigenem Einkaufserleben, denn Aldi hat angeblich einen Anteil von rund einem Viertel an dem in Deutschland verkauften Wein.
Seit geraumer Zeit befindet sich Aldi (vor allem Aldi-Süd) beim Wein in einer Qualitätsoffensive. Selbstverständlich dominieren die Gewächse zu 1,99 oder 2,59 Euro nach wie vor die Regale, doch versucht das Aldi-Management mit verschiedenen Methoden, an Image und Durchschnittspreis je verkaufter Flasche zu feilen. Ein Weg sind die wöchentlichen Aktionen, bei denen insbesondere vor Weihnachten und Ostern, wenn man sich bei Tisch etwas gönnt, auch schon einmal Weine weit jenseits der üblichen Preisschwelle von 4,99 Euro angeboten werden. Mit Grand Crus aus dem Bordeaux, bei denen für den erfahrenen Weintrinker Grand Cru-Status und Jahrgang häufig zweifelhaft sind, Barolos weitgehend unbekannter Erzeuger oder Gran Reservas aus dem krisenbedingt noch weiter anschwellenden Wein-See Spaniens verlässt Aldi das angestammte Terrain der uniformierten Massenweine und bietet seinen Kunden den Eintritt in neue Genusswelten. Auch wenn die "normalen" Aldi-Weinkäufer diese Weine nicht kennen, bietet doch die hohe emotionale Aufladung z.B. des Begriffs "Grand Cru" Anreize für den Konsum. Ähnliches gilt für die Werbung mit "Parker-Punkten". Man hat zumindest davon gehört, dass das etwas Gutes sein soll, und das subjektive Belohungssystem empfiehlt dem Konsumenten den Kauf einer solchen Flasche Weins statt der üblichen Alltagsqualität.
Nach meiner anekdotischen Evidenz ist dieser Weg jeoch nicht immer von Erfolg gekrönt, denn manchmal warten die Grand Crus auch noch Wochen nach einer solchen Aktion in einer Resteecke auf ihre Käufer. Liegt es vielleicht daran, dass der Wein doch anders und unverständlicher schmeckt als das, was man sonst trinkt? Greift man beim nächsten Mal wieder in die gewohnte Stelle im Regal?
Vielversprechender, weil nachhaltiger scheint ein anderer Ansatz zu sein, der sich in der "Edition Fritz Keller" manifestiert. Der Winzer Fritz Keller dürfte zwar dem durchschnittlichen Aldi-Weinkäufer nicht bekannt sein und daher für ihn nur eine geringe emotionale Aufladung haben, dafür ist der angebotene Wein aber auch nicht ganz so weit weg von dem, was man sonst konsumiert. Man gewöhnt sich vielleicht an eine etwas höhere Qualität, hat bei diesem Wein ein besseres Gefühl und verhilft Aldi zu einem merklich höheren Durchschnittserlös je Flasche.
Warum Fritz Keller bei diesem Spiel mitspielt, bleibt Objekt der Spekulation. Er hätte ja mit seinem eigenen Weingut und Weinhandel eigentlich genug zu tun. Die Aldi-Werbung schreibt dazu: "Mit der Realisierung dieser Wein-Edtion möchte Fritz Keller vielen Menschen hochwertige und handwerklich gemachte Weine vorstellen." Dass auch in der Weinwirtschaft das Gutmenschentum Einzug gehalten hat, vermag ich nicht zu glauben, ebenso wie die Tatsachenbehauptung, dass diese Weine handwerklich gemacht wurden, wie auch immer man "handwerklich" definiert. Noch skurriler ist der link zum Bauhaus und dem Etikettenmotiv von Paul Klee, den das Rückenetikett herstellt. Doch genug von dieser Schmähkritik - lassen wir die Weine sprechen.
Es wurden an diesem Wochenende zwei Weine aus der Aldi-Süd Aktion vom 18.07.11 und der Grauburgunder aus dem Sortiment verkostet. Kurioserweise entsprach aber (zumindest in dem von mir frequentieten Aldi-Markt) der als Aktionsware annoncierte 2008er Pinot Noir dem entsprechenden Sortimentswein. Nicht durchringen konnte ich mich dazu, den feinherben Riesling aus der Steillage von Raimund Prüm zu 4,99 und die mit VDP-Siegel(!) versehene Silvaner-Weißburgunder Cuvee von Schloss Sommerhausen zu verkosten. Hier gibt es ja sicher auf VDP-Ebene, wie seinerzeit bei den Weinen von Hans Lang aus dem Rheingau, ohnehin noch ein Nachspiel.
2010er Riesling Edition Fritz Keller
Lichtes Gold, etwas CO2, intensive Nase (Gelbfrüchte, dominant Pfirsich, etwas Zitrus). Animierende Frucht, sehr frisch, stahlig, schlanker Körper, der die (jahrgangsbedingt) kräftige Säure nur wenig abfedert, sehr reintönig und sortentypisch, gute Basisqualität, eine positive Überraschung
APNr. 3862 02 11
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
2009er Grauburgunder Edition Fritz Keller
Hochwertiger Naturkork, strahlendes Gelb mit goldenen Reflexen, Nase eher dezent, primär Birne und vegetabile Noten. Im Mund eher eindimensional, Grauburgundertypizität gut schmeckbar, es fehlt aber an Schmelz und aromatischer Komplexität und Spiel. Wirkt etwas plump.
Bewertung: 15,0/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
2008er Spätburgunder Edition Fritz Keller
Sehr helles Rubingranat, Dufte nach roten Früchten, Bitternoten. Am Gaumen feinfruchtig mit spürbarer Säure, schöne Balance zwischen Frucht und gerbigen Bitterstoffen, etwas abrundende Restsüße, insgesamt jedoch etwas schmalbrüstig. Ein sauberer, "kleiner" Spätburgunder, der auf kitschige Fruchtdroparomen verzichtet.
Bewertung: 15,5/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
Insgesamt zeigten die Weine eine durchaus solide Qualität, wobei der Riesling positiv überraschen konnte. Muss man deshalb bei Aldi Wein kaufen? - Wer um die sechs Euro je Flasche ausgeben will, kann bei einer großen Zahl von Winzergenossenschaften und Privatwinzern in Deutschland Wein von mindestens genau so hoher Qualität erstehen: doch diese Hürde düfte für viele der Aldi-Weinkäufer wohl zu hoch sein.
Seit geraumer Zeit befindet sich Aldi (vor allem Aldi-Süd) beim Wein in einer Qualitätsoffensive. Selbstverständlich dominieren die Gewächse zu 1,99 oder 2,59 Euro nach wie vor die Regale, doch versucht das Aldi-Management mit verschiedenen Methoden, an Image und Durchschnittspreis je verkaufter Flasche zu feilen. Ein Weg sind die wöchentlichen Aktionen, bei denen insbesondere vor Weihnachten und Ostern, wenn man sich bei Tisch etwas gönnt, auch schon einmal Weine weit jenseits der üblichen Preisschwelle von 4,99 Euro angeboten werden. Mit Grand Crus aus dem Bordeaux, bei denen für den erfahrenen Weintrinker Grand Cru-Status und Jahrgang häufig zweifelhaft sind, Barolos weitgehend unbekannter Erzeuger oder Gran Reservas aus dem krisenbedingt noch weiter anschwellenden Wein-See Spaniens verlässt Aldi das angestammte Terrain der uniformierten Massenweine und bietet seinen Kunden den Eintritt in neue Genusswelten. Auch wenn die "normalen" Aldi-Weinkäufer diese Weine nicht kennen, bietet doch die hohe emotionale Aufladung z.B. des Begriffs "Grand Cru" Anreize für den Konsum. Ähnliches gilt für die Werbung mit "Parker-Punkten". Man hat zumindest davon gehört, dass das etwas Gutes sein soll, und das subjektive Belohungssystem empfiehlt dem Konsumenten den Kauf einer solchen Flasche Weins statt der üblichen Alltagsqualität.
Nach meiner anekdotischen Evidenz ist dieser Weg jeoch nicht immer von Erfolg gekrönt, denn manchmal warten die Grand Crus auch noch Wochen nach einer solchen Aktion in einer Resteecke auf ihre Käufer. Liegt es vielleicht daran, dass der Wein doch anders und unverständlicher schmeckt als das, was man sonst trinkt? Greift man beim nächsten Mal wieder in die gewohnte Stelle im Regal?
Vielversprechender, weil nachhaltiger scheint ein anderer Ansatz zu sein, der sich in der "Edition Fritz Keller" manifestiert. Der Winzer Fritz Keller dürfte zwar dem durchschnittlichen Aldi-Weinkäufer nicht bekannt sein und daher für ihn nur eine geringe emotionale Aufladung haben, dafür ist der angebotene Wein aber auch nicht ganz so weit weg von dem, was man sonst konsumiert. Man gewöhnt sich vielleicht an eine etwas höhere Qualität, hat bei diesem Wein ein besseres Gefühl und verhilft Aldi zu einem merklich höheren Durchschnittserlös je Flasche.
Warum Fritz Keller bei diesem Spiel mitspielt, bleibt Objekt der Spekulation. Er hätte ja mit seinem eigenen Weingut und Weinhandel eigentlich genug zu tun. Die Aldi-Werbung schreibt dazu: "Mit der Realisierung dieser Wein-Edtion möchte Fritz Keller vielen Menschen hochwertige und handwerklich gemachte Weine vorstellen." Dass auch in der Weinwirtschaft das Gutmenschentum Einzug gehalten hat, vermag ich nicht zu glauben, ebenso wie die Tatsachenbehauptung, dass diese Weine handwerklich gemacht wurden, wie auch immer man "handwerklich" definiert. Noch skurriler ist der link zum Bauhaus und dem Etikettenmotiv von Paul Klee, den das Rückenetikett herstellt. Doch genug von dieser Schmähkritik - lassen wir die Weine sprechen.
Es wurden an diesem Wochenende zwei Weine aus der Aldi-Süd Aktion vom 18.07.11 und der Grauburgunder aus dem Sortiment verkostet. Kurioserweise entsprach aber (zumindest in dem von mir frequentieten Aldi-Markt) der als Aktionsware annoncierte 2008er Pinot Noir dem entsprechenden Sortimentswein. Nicht durchringen konnte ich mich dazu, den feinherben Riesling aus der Steillage von Raimund Prüm zu 4,99 und die mit VDP-Siegel(!) versehene Silvaner-Weißburgunder Cuvee von Schloss Sommerhausen zu verkosten. Hier gibt es ja sicher auf VDP-Ebene, wie seinerzeit bei den Weinen von Hans Lang aus dem Rheingau, ohnehin noch ein Nachspiel.
2010er Riesling Edition Fritz Keller
Lichtes Gold, etwas CO2, intensive Nase (Gelbfrüchte, dominant Pfirsich, etwas Zitrus). Animierende Frucht, sehr frisch, stahlig, schlanker Körper, der die (jahrgangsbedingt) kräftige Säure nur wenig abfedert, sehr reintönig und sortentypisch, gute Basisqualität, eine positive Überraschung
APNr. 3862 02 11
Bewertung: 16,5/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
2009er Grauburgunder Edition Fritz Keller
Hochwertiger Naturkork, strahlendes Gelb mit goldenen Reflexen, Nase eher dezent, primär Birne und vegetabile Noten. Im Mund eher eindimensional, Grauburgundertypizität gut schmeckbar, es fehlt aber an Schmelz und aromatischer Komplexität und Spiel. Wirkt etwas plump.
Bewertung: 15,0/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
2008er Spätburgunder Edition Fritz Keller
Sehr helles Rubingranat, Dufte nach roten Früchten, Bitternoten. Am Gaumen feinfruchtig mit spürbarer Säure, schöne Balance zwischen Frucht und gerbigen Bitterstoffen, etwas abrundende Restsüße, insgesamt jedoch etwas schmalbrüstig. Ein sauberer, "kleiner" Spätburgunder, der auf kitschige Fruchtdroparomen verzichtet.
Bewertung: 15,5/20 Punkte
Preis: 5,99 Euro
Insgesamt zeigten die Weine eine durchaus solide Qualität, wobei der Riesling positiv überraschen konnte. Muss man deshalb bei Aldi Wein kaufen? - Wer um die sechs Euro je Flasche ausgeben will, kann bei einer großen Zahl von Winzergenossenschaften und Privatwinzern in Deutschland Wein von mindestens genau so hoher Qualität erstehen: doch diese Hürde düfte für viele der Aldi-Weinkäufer wohl zu hoch sein.
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